Pflanzenextrakt

Brennnessel (Urtica dioica)

Brennnessel (Urtica dioica): Pflanze, Rohstoff und Extraktdarstellung im Inhaltsstoffe-Lexikon

Was ist Brennnessel (Urtica dioica)?

Die Brennnessel (Urtica dioica) ist eine weitverbreitete Wildpflanze, deren Blätter und Wurzeln zu Tees, Extrakten und Kapseln verarbeitet werden. Die EMA erkennt Brennnesselblätter als traditionelles pflanzliches Arzneimittel zur Durchspülung der Harnwege und unterstützend bei rheumatischen Beschwerden an, eine Anwendung, die nichts mit Atemwegen oder Nase zu tun hat.

Ihren Namen verdankt die Pflanze den feinen Brennhaaren auf Blättern und Stängeln, die bei Berührung Histamin und andere Reizstoffe absondern und den charakteristischen Hautausschlag verursachen. Beim Trocknen oder Erhitzen, etwa beim Kochen oder bei der Extraktherstellung, verlieren diese Haare ihre reizende Wirkung vollständig, weshalb getrocknete oder verarbeitete Brennnessel unbedenklich gegessen oder als Extrakt eingenommen werden kann.

Was die Forschung zeigt

Für den Zusammenhang mit oberen Atemwegen und allergischer Rhinitis existiert keine EMA-Anerkennung, wohl aber eigenständige klinische Forschung: Eine randomisierte Doppelblindstudie (Mittman, Planta Medica 1990) mit gefriergetrocknetem Brennnesselblatt-Extrakt (300 mg) fand bei 69 Teilnehmenden mit allergischer Rhinitis eine leicht bessere Symptomeinschätzung als unter Placebo. Eine weitere randomisierte Studie mit Wurzelextrakt bei Personen mit allergischer Rhinitis fand ebenfalls eine Verbesserung gegenüber Placebo. Beide Studien sind klein und beziehen sich nicht auf die EMA-anerkannte traditionelle Anwendung bei Gelenken und Harnwegen.

In der Labor-Grundlagenforschung wurde untersucht, wie ein Extrakt in Zellkulturen mit Histaminrezeptoren, Mastzell-Tryptase und den Enzymen COX-1 und COX-2 interagiert, die alle an allergischen Entzündungsreaktionen beteiligt sind. Diese Laborbefunde liefern eine mögliche Erklärung für die in den beiden klinischen Studien beobachteten Effekte, ersetzen aber keine größer angelegte klinische Bestätigung.

Die oben zusammengefassten Studien sind allgemeine wissenschaftliche Literatur zu diesem Inhaltsstoff, keine zugelassene gesundheitsbezogene Angabe nach EU-Recht und kein Wirkversprechen für ein bestimmtes Produkt.

Brennnessel (Urtica dioica): Dosierung und Einnahme

Die zitierte Studie zu allergischer Rhinitis verwendete 300 mg gefriergetrockneten Blattextrakt täglich. Eine offizielle EU-Nährstoffempfehlung existiert nicht. Maßgeblich ist die Dosierungsangabe auf der jeweiligen Verpackung. Zur Durchspülung der Harnwege, der EMA-anerkannten traditionellen Anwendung, wird zusätzlich eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr über den Tag empfohlen, ohne die diese traditionelle Anwendung ihren Zweck verfehlen würde. Eine feste Tageszeit für die Einnahme erleichtert erfahrungsgemäß die regelmäßige Anwendung über mehrere Wochen.

Vorsicht und Wechselwirkungen

Der Extrakt gilt in den üblichen Mengen als gut verträglich, mit gelegentlichen milden Magen-Darm-Beschwerden. Die EMA empfiehlt Brennnesselblätter erst ab 12 Jahren, Wurzelextrakte erst ab 18 Jahren, da für jüngere Altersgruppen nicht ausreichend Daten vorliegen. Bei Einnahme von blutdrucksenkenden oder blutverdünnenden Medikamenten ist wegen möglicher Wechselwirkungen vorherige ärztliche Rücksprache sinnvoll.

Verwendet in diesen Produkten

Häufige Fragen zu Brennnessel (Urtica dioica)

Wofür ist Brennnessel offiziell als traditionelles Arzneimittel anerkannt?

Die EMA erkennt Brennnesselblätter zur Durchspülung der Harnwege und unterstützend bei rheumatischen Beschwerden an, nicht für Atemwege oder Nase.

Hilft Brennnessel bei Heuschnupfen oder allergischer Rhinitis?

Zwei kleinere randomisierte Studien mit Blatt- beziehungsweise Wurzelextrakt fanden eine Verbesserung gegenüber Placebo. Eine EMA-Anerkennung für diesen Anwendungsbereich existiert bislang nicht.

Ab welchem Alter ist Brennnessel empfohlen?

Die EMA empfiehlt Brennnesselblätter ab 12 Jahren, Wurzelextrakte erst ab 18 Jahren, da für jüngere Altersgruppen nicht ausreichend Daten vorliegen.

Gibt es Wechselwirkungen mit Medikamenten?

Bei blutdrucksenkenden oder blutverdünnenden Medikamenten ist wegen möglicher Wechselwirkungen eine vorherige ärztliche Rücksprache sinnvoll.

Quellen

Diese Seite dient der allgemeinen Information und ersetzt keine medizinische Beratung. Bei bestehenden Erkrankungen oder Medikamenteneinnahme vor der Anwendung ärztlichen Rat einholen.