Pflanzenextrakt

Eleuthero (Sibirischer Ginseng)

Eleuthero (Sibirischer Ginseng): Pflanze, Rohstoff und Extraktdarstellung im Inhaltsstoffe-Lexikon

Was ist Eleuthero (Sibirischer Ginseng)?

Eleuthero (Eleutherococcus senticosus), auch als Sibirischer Ginseng oder Taigawurzel bekannt, ist ein Strauchgewächs aus derselben Pflanzenfamilie wie der Koreanische Ginseng, botanisch aber eine eigenständige Gattung mit anderen Wirkstoffen (Eleutherosiden statt Ginsenosiden). Verwendet wird die Wurzel, traditionell in der sibirischen und russischen Volksmedizin sowie in der sowjetischen Adaptogen-Forschung der Nachkriegszeit, bei der Pflanzenstoffe untersucht wurden, die dem Körper helfen sollen, sich an körperliche und geistige Belastung anzupassen.

Geprägt wurde der Begriff „Adaptogen” maßgeblich vom sowjetischen Pharmakologen Nikolai Lasarew, später systematisch erforscht von seinem Schüler Israel Brekhman. Nach dessen klassischer Definition muss ein Adaptogen die Widerstandsfähigkeit des Körpers gegenüber vielfältigen Belastungen erhöhen, ohne die normale Körperfunktion zu stören und ohne selbst nennenswerte Nebenwirkungen zu verursachen. Eleuthero gilt als eine der am gründlichsten untersuchten Pflanzen dieser Kategorie, mit einer jahrzehntelangen Forschungsgeschichte, die deutlich vor der heutigen EU-Zulassungspraxis für Health-Claims begann.

Was die Forschung zeigt

Die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) hat Eleuthero-Wurzel-Zubereitungen 2014 als traditionelles pflanzliches Arzneimittel bei Schwächegefühl und Müdigkeit, etwa in der Rekonvaleszenz, anerkannt. Diese Anerkennung als „traditionelle Anwendung” ist ein anderes regulatorisches Verfahren als eine von der EFSA geprüfte gesundheitsbezogene Angabe nach der EU-Health-Claims-Verordnung, eine solche Angabe existiert für die Pflanze nicht. Einzelne placebokontrollierte Humanstudien deuten auf einen möglichen Effekt auf Erschöpfung und Ausdauerleistung hin, die Studienlage insgesamt ist aber kleinteiliger als bei Koreanischem Ginseng.

Eine häufig zitierte Untersuchung prüfte die Wirkung einer achtwöchigen Supplementierung auf Ausdauerleistung und Stoffwechsel bei gesunden Erwachsenen und fand Hinweise auf eine verbesserte Sauerstoffverwertung während körperlicher Belastung. Weitere kleinere Studien untersuchten Effekte auf das Immunsystem, etwa eine erhöhte Aktivität bestimmter Abwehrzellen nach mehrwöchiger Einnahme eines Flüssigextrakts. Diese Befunde stammen überwiegend aus kleinen Studien mit wenigen Teilnehmenden, weshalb sie als Hinweis, nicht als abschließender Beleg zu verstehen sind.

Die oben zusammengefassten Studien sind allgemeine wissenschaftliche Literatur zu diesem Inhaltsstoff, keine zugelassene gesundheitsbezogene Angabe nach EU-Recht und kein Wirkversprechen für ein bestimmtes Produkt.

Eleuthero (Sibirischer Ginseng): Dosierung und Einnahme

In Humanstudien zur Ausdauer und Erschöpfung wurden häufig Tagesmengen um 600 mg Extrakt über 8 Wochen verwendet. Die EMA-Monografie macht keine einzelne Zahl zur Tagesdosis verbindlich, sondern verweist auf die jeweilige Zubereitung; maßgeblich ist immer die Dosierungsangabe auf der Verpackung des jeweiligen Produkts. Übereinstimmend wird empfohlen, die Einnahme nach spätestens zwei Monaten zu unterbrechen, statt sie dauerhaft fortzusetzen.

Handelsübliche Extrakte werden häufig auf einen bestimmten Gehalt an Eleutherosid B und E standardisiert, üblich sind Angaben um 0,8 Prozent. Wurzelpulver ohne standardisierten Extraktgehalt lässt sich in seiner tatsächlichen Wirkstärke schwerer einschätzen, weshalb ein konkret ausgewiesener Eleutherosidgehalt beim Kauf eine hilfreiche Orientierung bietet.

Vorsicht und Wechselwirkungen

Laut EMA-Monografie sollte die Pflanze nicht länger als zwei Monate ohne Unterbrechung eingenommen werden, und die Pflanze gilt bei bestehendem Bluthochdruck als Gegenanzeige. Als Nebenwirkungen werden Schlaflosigkeit, innere Unruhe, beschleunigter Herzschlag und Kopfschmerzen genannt, die Häufigkeit ist laut Monografie nicht bekannt. Wegen der anregenden Wirkung empfiehlt sich die Einnahme eher in der ersten Tageshälfte als am Abend.

Häufige Fragen zu Eleuthero (Sibirischer Ginseng)

Ist Eleuthero dasselbe wie Ginseng?

Nein. Beide gehören zur Familie der Araliengewächse, sind botanisch aber unterschiedliche Gattungen mit unterschiedlichen Wirkstoffen: Die eine Pflanze enthält Eleutheroside, die andere Ginsenoside.

Wirkt es sofort oder erst nach einigen Wochen?

Die meisten Humanstudien zu Ausdauer und Erschöpfung verwendeten eine tägliche Einnahme über mehrere Wochen, häufig acht Wochen, bevor ein Effekt gemessen wurde. Von einer sofortigen, einmaligen Wirkung ist nicht auszugehen.

Wofür wird die Pflanze traditionell verwendet?

Die EMA hat Zubereitungen aus der Wurzel 2014 als traditionelles pflanzliches Arzneimittel bei Schwächegefühl und Müdigkeit, etwa in der Rekonvaleszenz, anerkannt. Das ist eine Anerkennung als Traditionsarzneimittel, keine von der EFSA geprüfte Angabe für Nahrungsergänzungsmittel.

Wie lange darf man Eleuthero einnehmen?

Laut EMA-Monografie nicht länger als zwei Monate ohne Unterbrechung. Danach empfiehlt sich eine Pause, bevor die Einnahme gegebenenfalls fortgesetzt wird.

Wer sollte Eleuthero meiden?

Laut EMA-Monografie gilt bestehender Bluthochdruck als Gegenanzeige. Bei Unsicherheit oder bestehenden Vorerkrankungen sollte die Einnahme vorab ärztlich abgeklärt werden.

Macht es wach oder sollte man es abends meiden?

Wegen der anregenden Wirkung berichten manche Menschen bei später Einnahme von Schlafproblemen oder innerer Unruhe. Die Einnahme in der ersten Tageshälfte wird deshalb häufiger empfohlen.

Quellen

Diese Seite dient der allgemeinen Information und ersetzt keine medizinische Beratung. Bei bestehenden Erkrankungen oder Medikamenteneinnahme vor der Anwendung ärztlichen Rat einholen.