Carotinoid
Lycopin
Was ist Lycopin?
Lycopin ist das rote Carotinoid, das Tomaten, Wassermelonen und rosa Grapefruits ihre Farbe verleiht. Es gehört zur selben Stoffgruppe wie Beta-Carotin und Lutein, hat aber, anders als Beta-Carotin, keine Vitamin-A-Wirkung im Körper.
Interessant ist die Verfügbarkeit dieses Farbstoffs aus der Nahrung: Im Gegensatz zu vielen anderen Pflanzenstoffen steht er dem Körper aus verarbeiteten Tomatenprodukten wie Tomatenmark oder -sauce besser zur Verfügung als aus rohen, unverarbeiteten Tomaten, weil Hitze und Zerkleinerung die Zellstruktur aufbrechen und die Aufnahme zusammen mit etwas Fett (etwa Olivenöl) begünstigen.
Chemisch handelt es sich um ein Carotinoid ohne die für Beta-Carotin typische Ringstruktur an beiden Enden des Moleküls, weshalb der Körper es, anders als Beta-Carotin, nicht in Vitamin A umwandeln kann. Diese offenkettige Struktur wird von manchen Forscher:innen auch als Erklärung für die besonders hohe antioxidative Kapazität herangezogen, ein rein chemisches Merkmal, das von der noch unklaren Studienlage zu konkreten Gesundheitswirkungen beim Menschen unabhängig zu betrachten ist.
Was die Forschung zeigt
Lycopin wird häufig mit dem Schutz von Herz, Augen, Prostata und Haut in Verbindung gebracht. Die Verbraucherzentrale stellt dazu klar, dass keine dieser Wirkungen für isoliertes Lycopin als Nahrungsergänzungsmittel wissenschaftlich ausreichend belegt ist, auch wenn der Stoff als Bestandteil einer tomatenreichen Ernährung in Beobachtungsstudien mit verschiedenen positiven Zusammenhängen diskutiert wird.
Als Carotinoid zählt es außerdem zu den stärksten bekannten Singulett-Sauerstoff-Fängern unter den natürlichen Pflanzenfarbstoffen, eine grundlegende chemische Eigenschaft, die von der genannten Studienlücke zu konkreten Gesundheitswirkungen beim Menschen unabhängig ist.
Die oben zusammengefassten Studien sind allgemeine wissenschaftliche Literatur zu diesem Inhaltsstoff, keine zugelassene gesundheitsbezogene Angabe nach EU-Recht und kein Wirkversprechen für ein bestimmtes Produkt.
Lycopin: Dosierung und Einnahme
Eine offizielle EU-Nährstoffempfehlung existiert nicht. In Nahrungsergänzungsmitteln werden meist einige Milligramm pro Tagesdosis eingesetzt. Maßgeblich ist die Dosierungsangabe auf der jeweiligen Verpackung. Als fettlösliches Carotinoid wird der Farbstoff, ähnlich wie Beta-Carotin oder Astaxanthin, zusammen mit einer fetthaltigen Mahlzeit besser aufgenommen als auf nüchternen Magen. Interessanterweise steigt die Bioverfügbarkeit durch Erhitzen und Verarbeitung sogar an, ein seltener Fall, in dem ein verarbeitetes Lebensmittel (etwa Tomatenmark) dem Körper einen Pflanzenstoff besser zur Verfügung stellt als die rohe Frucht. Nahrungsergänzungsmittel enthalten den Stoff meist bereits in öliger, direkt aufnahmefähiger Form, sodass eine zusätzliche fetthaltige Mahlzeit dort keine zwingende Voraussetzung mehr ist, empfehlenswert bleibt sie aus praktischer Erfahrung trotzdem.
Die tatsächliche Menge pro Kapsel unterscheidet sich je nach Präparat teils deutlich, ein Blick auf die konkrete Milligramm-Angabe lohnt sich beim Vergleich mehrerer Produkte.
Vorsicht und Wechselwirkungen
Dieses Carotinoid gilt in den üblichen Nahrungsergänzungsmengen als unbedenklich. Bei sehr hohen Dosen über einen langen Zeitraum wurde vereinzelt eine harmlose orange-rötliche Hautverfärbung (Lycopinodermie) beobachtet, die sich nach Absetzen zurückbildet. Anders als bei Beta-Carotin gibt es hier kein Umwandlungsrisiko in Vitamin A und damit auch nicht die bei Raucher:innen diskutierten Bedenken zu hochdosiertem Beta-Carotin. Menschen mit einer bekannten Allergie gegen Tomaten sollten bei Präparaten, die aus Tomatenextrakt gewonnen werden, auf mögliche Spuren des ursprünglichen Lebensmittels achten und im Zweifel das Etikett genau prüfen.
Verwendet in diesen Produkten
Häufige Fragen zu Lycopin
Ist die Wirkung von Lycopin als Nahrungsergänzungsmittel wissenschaftlich belegt?
Laut Verbraucherzentrale ist keine der häufig genannten Wirkungen, etwa für Augen, Herz oder Haut, für isoliertes Lycopin als Nahrungsergänzungsmittel ausreichend wissenschaftlich belegt.
Woher stammt Lycopin?
Aus roten Früchten wie Tomaten, Wassermelonen und rosa Grapefruits, die ihm ihre charakteristische Farbe verdanken.
Ist Lycopin sicher in der Anwendung?
Ja, in üblichen Mengen gilt es als unbedenklich. Bei sehr hohen Dosen über lange Zeit kann sich die Haut vorübergehend harmlos orange-rötlich verfärben.
Hat Lycopin eine Vitamin-A-Wirkung wie Beta-Carotin?
Nein, Lycopin wird im Körper nicht in Vitamin A umgewandelt, anders als Beta-Carotin.
Quellen
- Lycopin: Wirkung als Nahrungsergänzungsmittel nicht belegt (Verbraucherzentrale)
Diese Seite dient der allgemeinen Information und ersetzt keine medizinische Beratung. Bei bestehenden Erkrankungen oder Medikamenteneinnahme vor der Anwendung ärztlichen Rat einholen.
