Vitamin · zugelassene EU-Angabe

Vitamin A

Vitamin A: natürliche Quellen und redaktionelle Nährstoffdarstellung

Was ist Vitamin A?

Vitamin A ist ein fettlösliches Vitamin, das entweder als vorgeformtes Retinol (aus tierischen Lebensmitteln) oder als Provitamin-A-Carotinoid wie Beta-Carotin (aus pflanzlichen Lebensmitteln, etwa Karotten oder Süßkartoffeln) aufgenommen wird. Der Körper wandelt Beta-Carotin je nach Bedarf selbst in aktives Retinol um, diese Umwandlung ist reguliert, weshalb das Provitamin als Nährstoffquelle in Nahrungsergänzungsmitteln in der Regel als risikoärmer gilt als hochdosiertes reines Retinol.

Tierische Lebensmittel wie Leber, Fisch, Milchprodukte und Eigelb liefern fertiges Retinol, während grünes Blattgemüse, Karotten, Süßkartoffeln und Kürbis vor allem das Provitamin Beta-Carotin enthalten. Da beide Formen unterschiedlich gut vom Körper aufgenommen werden, wird der Gesamtgehalt einheitlich in Retinoläquivalenten (RAE) angegeben.

Als fettlösliches Vitamin wird der Nährstoff im Körper vor allem in der Leber gespeichert, die bei ausreichender Zufuhr über Monate hinweg einen Vorrat anlegen kann, ein deutlicher Unterschied zu wasserlöslichen Vitaminen wie Vitamin C oder den B-Vitaminen, die der Körper kaum speichern kann und die deshalb regelmäßiger über die Nahrung zugeführt werden müssen.

Zugelassene EU-Angabe

Vitamin A trägt zur Erhaltung normaler Sehkraft, zu einer normalen Funktion des Immunsystems, zur Erhaltung normaler Haut und Schleimhäute, zu einem normalen Eisenstoffwechsel sowie zu einer normalen Zelldifferenzierung bei. Diese Aussagen sind in der EU zugelassen, siehe Verordnung (EU) Nr. 432/2012.

Was die Forschung zeigt

Die Sehkraft-Angabe gehört zu den am längsten bekannten Vitaminwirkungen überhaupt: Retinal, eine aktive Form dieses Nährstoffs, ist Bestandteil von Rhodopsin, dem lichtempfindlichen Sehpigment der Stäbchenzellen in der Netzhaut, das für das Sehen bei schwachem Licht notwendig ist. Ein ausgeprägter Mangel ist weltweit eine der häufigsten Ursachen für vermeidbare Nachtblindheit, insbesondere in Regionen mit einseitiger Ernährung.

Neben der Sehkraft spielt der Nährstoff laut Deutscher Gesellschaft für Ernährung (DGE) auch eine Rolle beim Wachstum, bei der Zellteilung und beim Aufbau der Schleimhäute, die als erste Barriere gegen Krankheitserreger dienen, das deckt sich mit den zugelassenen EU-Angaben zu Immunsystem und Schleimhäuten.

Historisch gehört dieser Nährstoff zu den zuerst entdeckten fettlöslichen Vitaminen überhaupt: Bereits in den 1910er-Jahren beschrieben Forscher einen "fettlöslichen Faktor A" in Butter und Eigelb, der das Wachstum von Versuchstieren förderte, lange bevor die genaue chemische Struktur von Retinol Jahrzehnte später aufgeklärt wurde. Die Beobachtung, dass ein Mangel zu Nachtblindheit und später zu einer vollständigen Austrocknung der Augenoberfläche (Xerophthalmie) führen kann, ist bereits aus deutlich älteren medizinischen Aufzeichnungen bekannt und war einer der ersten dokumentierten Zusammenhänge zwischen Ernährung und Augengesundheit überhaupt.

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation zählt ein Mangel an diesem Nährstoff auch heute noch zu den häufigsten vermeidbaren Ursachen für Erblindung bei Kindern in einkommensschwachen Regionen, weshalb in vielen betroffenen Ländern Grundnahrungsmittel wie Speiseöl, Zucker oder Mehl gezielt damit angereichert werden (Lebensmittelfortifikation). In Deutschland und anderen wohlhabenden Industrieländern mit einer üblicherweise ausgewogenen Mischkost ist ein ausgeprägter Mangel dagegen selten und betrifft vor allem Menschen mit chronischen Fettverdauungsstörungen, bei denen die Aufnahme fettlöslicher Vitamine insgesamt beeinträchtigt sein kann.

Auch die Netzhauterkrankung Retinitis pigmentosa, eine erblich bedingte, fortschreitende Erkrankung der Sehzellen, wurde in älteren klinischen Studien im Zusammenhang mit hochdosiertem Retinylpalmitat unter fachärztlicher Aufsicht untersucht, ein spezialisiertes medizinisches Anwendungsgebiet, das mit der allgemeinen Nahrungsergänzung für gesunde Augen nicht zu verwechseln ist und stets einer augenärztlichen Betreuung bedarf.

Vitamin A: Dosierung und Einnahme

Der EU-Nährstoffbezugswert (NRV) liegt bei 800 µg Retinoläquivalent (RAE) pro Tag. Da Beta-Carotin vom Körper nur bedarfsgerecht umgewandelt wird, gilt eine Überdosierung allein durch Beta-Carotin aus der Nahrung praktisch als ausgeschlossen, bei sehr hohen Dosen kann sich allerdings vorübergehend und harmlos die Haut gelblich-orange verfärben (Carotinodermie). Maßgeblich ist immer die Dosierungsangabe auf der jeweiligen Verpackung. Für vorgeformtes Retinol legt die EFSA eine sichere Obergrenze von 3.000 µg RAE täglich für Erwachsene fest, ein Wert, der in gut formulierten Nahrungsergänzungsmitteln normalerweise nicht annähernd erreicht wird, da diese meist deutlich niedriger dosiert sind als medizinische Hochdosis-Präparate. Für Beta-Carotin existiert keine vergleichbare offizielle Obergrenze, da eine Überdosierung über diesen Weg praktisch ausgeschlossen ist.

Bei Unsicherheit über die eigene Versorgungslage kann eine hausärztliche Blutuntersuchung Klarheit schaffen, statt vorsorglich unnötig hoch zu dosieren. Das Ergebnis liefert eine verlässlichere Grundlage als eine reine Schätzung.

Vorsicht und Wechselwirkungen

Zwei große Studien (die finnische ATBC-Studie und die US-amerikanische CARET-Studie) fanden bei starken Raucherinnen und Rauchern, die über Jahre hochdosiertes Beta-Carotin von 15 bis 30 mg täglich einnahmen, ein deutlich erhöhtes Lungenkrebsrisiko gegenüber Placebo. Für Nichtraucher:innen zeigte sich in denselben Studien kein erhöhtes Risiko. Die in Nahrungsergänzungsmitteln üblichen Mengen liegen meist deutlich unter den in diesen Studien verwendeten Dosen, starke Raucher:innen sollten hochdosierte Beta-Carotin-Präparate dennoch vorab ärztlich abklären. Schwangere sollten bei vorgeformtem Retinol (nicht bei Beta-Carotin) wegen möglicher Fehlbildungsrisiken bei sehr hohen Dosen besondere Vorsicht walten lassen.

Chronisch zu hohe Zufuhr von vorgeformtem Retinol über einen langen Zeitraum, deutlich über der als sicher geltenden Obergrenze, kann laut wissenschaftlicher Literatur auch die Knochendichte beeinträchtigen und wurde in Beobachtungsstudien mit einem erhöhten Risiko für Knochenbrüche bei älteren Menschen in Verbindung gebracht, ein Grund, warum viele Kombinationspräparate für ältere Zielgruppen bewusst überwiegend oder ausschließlich auf das risikoärmere Beta-Carotin statt auf reines Retinol setzen.

Bei bestehenden Lebererkrankungen sollte die zusätzliche Einnahme von vorgeformtem Retinol ärztlich abgestimmt werden, da die Leber der zentrale Speicherort dieses Nährstoffs im Körper ist und ihre Speicherkapazität bei eingeschränkter Funktion begrenzt sein kann. Kinder reagieren wegen ihres geringeren Körpergewichts empfindlicher auf hohe Einzeldosen als Erwachsene, weshalb speziell für Kinder formulierte Präparate in der Regel deutlich niedriger dosiert sind.

Häufige Fragen zu Vitamin A

Wofür ist Vitamin A am bekanntesten?

Am bekanntesten ist die zugelassene EU-Angabe zur Erhaltung normaler Sehkraft, da eine aktive Form von Vitamin A Bestandteil des lichtempfindlichen Sehpigments Rhodopsin in der Netzhaut ist.

Ist Beta-Carotin sicherer als reines Vitamin A?

Für die Überdosierungsgefahr ja, da der Körper Beta-Carotin nur bedarfsgerecht in aktives Vitamin A umwandelt. Bei starken Raucher:innen zeigten Studien mit sehr hohen Beta-Carotin-Dosen dennoch ein erhöhtes Lungenkrebsrisiko.

Wie viel Vitamin A wird täglich empfohlen?

Der EU-Nährstoffbezugswert liegt bei 800 µg Retinoläquivalent pro Tag. Maßgeblich ist die Dosierungsangabe auf der jeweiligen Verpackung.

Ist Vitamin A in der Schwangerschaft bedenklich?

Bei sehr hohen Dosen von vorgeformtem Retinol besteht ein Risiko für Fehlbildungen, weshalb Schwangere hier besondere Vorsicht walten lassen sollten. Für Beta-Carotin gilt dieses Risiko nach aktuellem Kenntnisstand nicht in gleichem Maß.

Quellen

Diese Seite dient der allgemeinen Information und ersetzt keine medizinische Beratung. Bei bestehenden Erkrankungen oder Medikamenteneinnahme vor der Anwendung ärztlichen Rat einholen.